Veranstaltungen 2022


09.04.2022 | Martin Herrmann: Keine Frau sucht Bauer

Genau so stelle ich mir einen Kabarettabend vor: überraschend, frech, böse, witzig, spannend, fröhlich, geistreich. Martin Herrmann unterhielt die Gäste im Gasthaus "Zum Salmen" in Hartheim unter anderem mit grandiosen Wortjonglagen sowie mit entlarvender Politsatire und überzeugte dazu bei seinen zahlreichen Songs mit brillantem Gitarrenspiel. Seine Fähigkeit, Sachverhalte und Geschichten in Reime zu packen und seine unglaublich deutliche Artikulation sind einzigartig. Der rote Faden in seinem Programm "Keine Frau sucht Bauer" ist der Unterschied zwischen Stadt und Landleben, wobei aber auch Themen wie Gerechtigkeit, Gleichberechtigung oder die Ehe an sich eine große Rolle spielen. Martin Herrmann, der sich  wegen seines Nachnamens (doppelt maskulin: Herr-Mann) als Östrogenseismograf bezeichnet, wäre am liebsten Witwer, aber dazu müsste er erst einmal heiraten. Dass dieses Unterfangen ein wahres Abenteuer (und viel zu oft von kurzer Dauer) ist nimmt viel Platz im Programm ein. Die Ehe sei mindestens genauso so gefährlich wie Computerspiele und er fordert ein Eheverbot für Schusswaffenbesitzer. Seine Sätze fangen meist harmlos an, um dann in einer fulminanten Pointe zu enden: Man hat herausgefunden, verheiratete Männer leben länger - wollen aber früher sterben! Oder: Alle sagen zum Priester "Vater" - nur die eigenen Kinder sagen "Onkel". Das Publikum im Salmen ging begeistert mit und Lachsalve um Lachsalve tobte durch den Saal. Der Song "Wiedergeburt", gespielt auf einer angeblich seltenen tibetanischen Zupfharfe (die verdächtig wie ein handelsüblicher Eierschneider aussah) trieb dem Publikum Lachtränen in die Augen. Ebenso wie die weiteren zahlreichen Songs, mit denen Herrmann sein Programm garnierte, wobei oft sein Biologiestudium Pate stand, wie beim "Molekülcasanova" oder beim "Chemiesong". Den Spagat zwischen Kabarett, Satire, Comedy und geistreichem Nonsens meisterte der Künstler bravourös und musste am Ende mehrere Zugaben geben. Dass am Ende noch jeder Besucher eine CD (mit fünf seiner Songs) kostenlos mit nach Hause nehmen durfte war eine willkommene weitere Zugabe eines grandiosen Künstlers, der gerne wiederkommen darf.


26.03.2022 | Armin Sengbusch: Depressionen leicht gemacht

"Depressionen leicht gemacht" hieß es am Samstag im Salmen. Man hätte einen leichten, ironischen und heiteren Abend vermuten können, aber was geboten wurde, war weit mehr als das. Armin Sengbusch, Buchautor, Musiker, Fotograf, Schauspieler, Kabarettist (und einiges mehr) überraschte die Besucher schon als er die Bühne betrat, mit schweren Lederstiefeln, Jackett und ... Kilt. Der Künstler ist bekennender Kilt-Träger und dies, weil es einfach bequem sei. Eine Steilvorlage für eine ganze Reihe von Beispielen, wie Menschen andere be- oder sogar verurteilen, weil sie nicht der gängigen Norm entsprechen. Der Abend entwickelte sich zu einem Parforceritt durch die Welt der Depressionskrankheiten, und man merkte sehr bald, Sengbusch weiß wovon er spricht. Auf amüsante Weise legte er seine diversen Krankheitsbilder offen und gab in norddeutschem Plauderton tiefe Einblicke in das Denken und Fühlen depressiver Menschen, bei denen so manchem das Lachen im Halse stecken blieb. Sengbusch verstand es aber immer wieder auf höchst geniale Weise, den Zuhörern verbal leicht auf die Schulter zu klopfen, sodass das Lachen den Weg nach draußen fand. Ein kleiner Halbsatz mit skurriler Komik reichte oft aus und es gab bei aller Schwere sehr viel zu lachen.

Das Publikum war allerdings jede Sekunde gefordert, Hirn abschalten und nur konsumieren war kaum möglich. Schon relativ früh aktivierte er die Zuschauer und brachte sie durch mitsingen auf seine Seite. Seine selbstgeschriebenen Songs, die er in lockerer Reihenfolge immer wieder einstreute und mit sehr variablem und äußerst passablem Gitarrenspiel begleitete, offenbarten ein weiteres seiner vielen Talente und trugen maßgeblich zur lockeren Atmosphäre bei. Ob Rap oder Rock, Armin Sengbusch zeigte sich musikalisch überall zu Hause. - Eigentlich erzählte er lediglich aus seinem Leben, flocht immer wieder Erlebnisse des Tages mit ein, und man hatte gar nicht den Eindruck, dass dies ein "Programm" war, sondern das Gefühl, da plaudert einer einfach drauflos. Dass ihm dies schon einmal zum "Verhängnis" wurde als er bei einem Auftritt nach dreieinhalb Stunden vom Veranstalter gefragt wurde, wie lange es noch ginge oder ob er Mal eine Pause machen könnte, konnte jeder im Saal gut nachvollziehen, denn Zeit spielte irgendwie keine Rolle. 

Sein außergewöhnliches Gespür als (mit unzähligen Preisen dekorierter) Poetry Slammer ließ Sengbusch aufblitzen mit einem schon etwas älteren Text, der damals in der Szene "viral ging" wie man so schön sagt, in dem sich ein Mensch auf den Weg zu Gott macht, um sich zu beschweren, aber vom Teufel abgefangen, wird der ihm klar machen will, dass nur ER ihm helfen könne. Goethes Faust meets Moderne und nach dem eindrucksvoll in Reimform in Szene gesetzten Disput war die Essenz am Ende: es nutzt weder etwas, sich blind auf Gott zu verlassen, noch auf den Teufel, man muss selbst die Initiative ergreifen und aktiv werden. Ein geniales und spontanes Intermezzo, das perfekt zum Thema passte, denn depressive Menschen haben es oft mit selbsternannten "Therapeuten" zu tun, die, ohne die geringste Ahnung zu haben, ultimative Tipps geben. Parallelen zu den Millionen von "Fußballbundestrainern" oder aktuell Millionen von "Virologen" drängten sich da natürlich auf. Hilfe von außen ist aber laut Sengbusch nicht die Lösung, die Kranken müssen selber ihren Weg finden ... und ihn auch gehen.

Einen Ansatz zur Lösung der allermeisten Probleme in der Welt hatte Armin Sengbusch auch im Gepäck. Es braucht nur zwei Eigenschaften: Höflichkeit und Respekt! Lang anhaltender Applaus gab ihm Recht.

Das durchweg begeisterte Pulikum erklatschte sich noch sage und schreibe drei Zugaben, drei Songs, die eine geniale Mischung aus Infoveranstaltung, Therapiestunde und Kabarettabend mit einem sehr sympathischen Künstler in perfekter Weise abrundeten.


12.03.2022 | Mellow: BLOW YOUR MIND!

Mit seiner brandneuen Show "Blow your mind!" gastierte am Samstag, den 12. März der Zauberkünstler Marco Weissenberg alias Mellow (zum zweiten Mal!) im Salmen in Hartheim. Der sympathische Kapuzenpulliträger hatte vom ersten Moment an das Publikum mit seiner gewinnenden, witzigen und charmanten Art auf seiner Seite. Geschickt und gewitzt nahm er immer wieder den Kontakt zu den Besuchern auf, insbesondere zu den vielen Kinder, die gebannt auf alles achteten, was Mellow auf der Bühne präsentierte. Mit viel Herz, Humor, netten Geschichten und immer den Schalk im Nacken präsentierte er sensationelle  Zaubertricks, die zum größten Teil so noch nie gesehen wurden. In einer "Preview Show" erklärte er, übt er quasi neue Nummern und verfeinert sie, um sie dann auf großen Bühnen zu präsentieren.

Seine Tricks mit Rubik-Würfeln waren nicht nur für die Kinder verblüffend, ein Ehering wurde mit einer Steinschleuder in den "Hyperraum" geschossen, um dann ... aber das muss man selbst erleben.

Bei einem unglaublichen Trick mit Legosteinen holte sich Mellow sogar per Handyanruf die Unterstützung des erst 14-jährigen "Magier des Jahres 2021" Maxililiam Schmalhofer alias Magis Maxl, der durchs Telefon zauberte. Überhaupt nutzte der Künstler sehr unaufdringlich, aber wirkungsvoll viele technischen Spielereien, etwa als er in einer anrührenden Nummer Glühwürmchen aus der Luft fing oder nach der Pause einen irrwitzigen Tanz mit schwebenden Leuchtstäben aufführte, wobei er im Hintergrund von Techniker Till Frömmel, selbst Zauberkünstler, punktgenau unterstützt wurde.

Nach dem furiosen Einstieg in den zweiten Teil der Show wurde es für eine Weile sehr emotional als Mellow aus einem Tagebuch über seine Kindheit, seine Eltern, insbesondere über seinen verstorbenen Vater vorlas. Man hätte eine Stecknadel fallen gehört und Mellow lies das Publikum auf diese Weise so nah an sich heran, dass es kaum jemanden ohne Gänsehaut gab.

Die melancholische Stimmung nutzte als Einstieg in eine Reihe fantastischer Tricks mit Polaroid-Bildern und die Show nahm wieder volle Fahrt auf. Eine Zuschauerin lies eine Glühbirne leuchten (und schließlich zerbersten!) und nach einem fantastischen Kartentrick zeigte der bei dem Trick beteiligte Zuschauer einen Showtanz, der das Publikum begeisterte. Mellow bezeichnete Hartheim als das "Las Vegas des Schwarzwalds" und bedankte sich am Ende herzlich bei dem "Las Vegas Showgirl" , allen Mitarbeitern des Salmen für ihre ehrenamtliche tolle Arbeit und natürlich beim Publikum, das nicht mehr aufhören wollte zu klatschen als er buchstäblich in einer riesigen Seifenblase über der Bühne schwebte.

Am Ende nach der Show nahm Mellow sich noch viel Zeit für die vielen Kinder, die ihn mit Fragen bestürmten, und Autogrammkarten wollten. Auch konnte man eine kleine Box erwerben, in dem unter anderem ein Link ist, unter dem der Zauberer drei Tricks, die man mit dem Inhalt des kleinen Kästchens machen kann, genauestens per Video erklärt. Die Nachfrage war gewaltig und man sah an diesem gelungenen Abend nur glückliche (kleine und große) Menschen.