Veranstaltungen 2023


28.01.2023 | Nico Brina: Boogie, Blues Rock 'n' Roll

Der Beifall, der aufbrandete, als Nico Brina nach seinem Konzert das Foyer betrat, war ebenso enthusiastisch wie viele Minuten zuvor am Ende seiner Show. Aber beginnen wir am Anfang. Zum wiederholten Mal betrat der in mehr als 3500 Auftritten gestählte Schweizer Boogie-Man um kurz nach 20 Uhr die Bühne des Salmen.

Nach wenigen Sekunden hatte er das Publikum fest auf seiner Seite, gleich der erste Boogie riss die Besucher in seinen Bann und schon beim zweiten Song zeigte sich das Publikum (wie noch des Öfteren im Laufe des Abends) äußerst sangeslustig und auch textsicher. Der Applaus wollte nicht enden. Was dann folgte war schlicht sensationell. Immer wieder sah man nur Kopfschütteln und konnte die Frage in den Köpfen sehen: Hat der Mann wirklich nur zwei Hände? Wie kann man so schnell sein? Nico Brina bot einen bunten Strauß aus bekannten Songs, Bluesklassikern und Rock'n'Rolls und scheute sich auch nicht, einen Richard Clayderman einzubauen. Im Programm gespickt mit seinen eigenen Songs, machte er auch immer wieder Ausflüge in die Klassik oder glitt plötzlich mitten im Song in jazzige Gefilde, kam letztendlich aber immer wieder zum Boogie zurück. Selbst ein Gospel wie "Oh when the saints" wurde auf geniale Weise zum Boogie Erlebnis umfunktioniert, aus "Sweet Home Chicago" wurde "Sweet home Hartheim". Selbst wenn der Virtuose, wie nach der Pause, mit einem Tango begann, konnte er seine Finger kaum bezähmen und wie von selbst rutschte seine linke Hand irgendwann in ein Boogie Riff, was die rechte als willkommenen Anlass nahm, um in hals-, bzw. hier eher fingerbrecherischer Weise die wildesten und wunderbarsten Ausflüge auf der Klaviatur zu unternehmen, wobei auch Mal die Nase, der Schuh oder der ganze Fuß als dritte Hand benutzt wurde. Ob im Sitzen, im Stehen (vor dem Flügel oder auf dem Klavierhocker) oder knieend vor dem Flügel, Brina ließ dem Publikum kaum Zeit zum Applaudieren (was dieses oft und gerne auch während der Songs tat), als ob ihm gerade ein neues Stück eingefallen wäre, das er unbedingt noch loswerden müsse. Auch lässig die Beine übereinander gekreuzt begleitete er zwischendurch seinen nicht minder beeindruckenden Gesang nur mit der linken Hand. Es fehlte nichts! Immer mit einem Augenzwinkern und den Schalk im Nacken, etwa bei seiner Elvis-Imitation, oder während seiner Eskapaden verschmitzt ins Publikum lächelnd, spielte sich der Künstler die Seele aus dem Leib und streute auch immer wieder Mal einen langsamen Blues ein oder etwas fürs Herz. Die Show steuerte auf einen Höhepunkt zu, den Brina mit diebischer Freude inszenierte. In seinem Highspeed-Boogie, mit dem er auch im Guinnessbuch der Rekorde steht (mit 608 Anschlägen der linken Hand pro Minute) brachen alle Dämme und Brina bewies, dass er die 100 Meter Klaviertastatur noch locker unter 10 Sekunden schafft. Eine herzige Version von Peter Alexanders "Kleiner Kneipe" auf Schwyzerdütsch hörte den gesamten Saal mitsingen und was am Ende, nach knapp zwei Stunden, Zugabe war und wo das Konzert schließlich zu Ende war, verschwamm irgendwie in der ganzen Begeisterung.


14.01.2023 Inka Meyer: Zurück in die Zugluft

Welch ein Start ins neue Jahr im Salmen! Am Samstag, den 14.01. war (zum zweiten Mal) die Kabarettistin Inka Meyer zu Gast und lockte (wie schon sehr lange nicht mehr) eine dreistellige Besucherzahl in den Salmen. Das Bemühen des Salmenteams, das bequeme und kuschelige samstägliche Sofa zum Schleudersitz zu machen, der die Menschen in den Theatersaal katapultiert, scheint so langsam wieder Erfolg zu zeigen. Die Besucher wurden belohnt mit einem Abend der Extraklasse. Inka Meyer, ein Ausnahmetalent in der Kabarettszene, verblüffte, begeisterte, überraschte und unterhielt das Publikum aufs vortrefflichste mit ihrem Programm "Zurück in die Zugluft" und das in zungenbrecherischem Tempo. Sie sprach komplizierteste Sätze, die die meisten kaum vom Blatt ablesen könnten, so schnell und fehlerfrei, dass einem kaum Zeit blieb, das Gesagte zu verarbeiten. Die Gag-Frequenz war extrem hoch, ebenso wie das Niveau ihres Vortrages. Ausgehend von einer kurzen Vorstellung kam die sympathische Künstlerin schnell auf das Thema Kinder, dann über Jugendliche zu Erwachsenen und navigierte gekonnt, sicher und amüsant durch viele Themen, die sie und uns heutzutage beschäftigen. Sei es die Deutsche Bahn, die Fridays-for-future Bewegung, das Gendern, die Tagespolitik, die Coronazeit oder der Klimawandel, alles bearbeitete sie mit scharfem Blick, noch schärferer Zunge und immer mit einem Augenzwinkern, nie belehrend oder besserwissend, immer äußerst witzig und die Lachmuskulatur strapazierend. Allerdings musste man sehr schnell lachen, denn viel Zeit blieb nicht bis zum nächsten Wortverdreher oder Wortspiel. Selbst wenn sie, wenige Male, unter die Gürtellinie ging, war das nie platt und niveaulos. Ihre oft selbst erlebten Alltagsgeschichten würzten das Ganze, Inka Meyer hört einfach zu und schaut hin! Nach knapp zwei Stunden allerbester Unterhaltung erklatschte sich das begeisterte Publikum ("Die Frau ist der Hammer!") noch zwei Zugaben, bevor es beschwingt und mit Lachtränen in den Augen den Heimweg antrat.