Veranstaltungen 2022


24.09.2022 | Christian de la Motte: Realität kann jeder

"Die witzigste Zaubershow seit Siegfried in den Tiger biss" war die Ankündigung und sie versprach nicht zu viel. Am Samstag, den 24. September war der Zauberkünstler Christian de la Motte aus Berlin im Salmen zu Gast und begeisterte das Publikum mit unglaublichen Tricks, sensationellen Illusionen und einer äußerst witzigen und unterhaltsamen Moderation. Immer wieder Leute aus dem Publikum einbindend zeigte der sympathische Künstler im ersten Teil seiner Show unter anderen einige vermeintlich bekannte Tricks, wie zum Beispiel das zerschnittene Seil, verpackte sie aber so wortgewandt und humorvoll, dass sie frisch und unverbraucht wirkten. Jederzeit im engen Kontakt mit den Zuschauern hatte Christian de la Motte alles fest im Griff und manipulierte das Publikum nach Belieben, was dieses gern zuließ. Selbst oft gesehene Kartentricks oder der Kniff eines "vermeintlich" missglückten Tricks kamen frisch renoviert und neu "gestrichen" toll an, was die Zuschauer mit donnerndem Applaus quittierten. Der Geldschein eines Zuschauers in einer Glaskugel verursachte wie viele andere "Zaubereien" offene Münder und ungläubiges Staunen.

So richtig drehte der Künstler aber im zweiten Teil der Show auf, der sich hauptsächlich mit sogenannter "Mentalmagie" beschäftigte. Christian de la Motte erriet zum Beispiel Zahlen eines Zuschauers, zeichnete einen Gegenstand eines Zuschauers nach, den er auf keinen Fall gesehen haben konnte, Schlag auf Schlag jagte ein überraschender Höhepunkt den nächsten, man muss das selbst erleben. Nach knapp zwei zauberhaften Stunden versäumte Christian de la Motte nicht, zum einen seinem Entwicklungsteam zum anderen dem Lichttechniker Peter und den gesamten ehrenamtlichen Helfern des Salmen zu danken, die solche Events erst möglich machten. Nachdem der Künstler mit einem schwebenden Tischchen durch den Saal und mitten durch die Zuschauer gewandelt war, ließ ein letzter fulminanter Applaus den Saal erbeben bevor ein glückliches, begeistertes, verblüfftes und ungläubig kopfschüttelndes Publikum den Heimweg antrat.

 


17.09.2022 | Steffi Kerker: Lizenz zum Trödeln

Die Freude war riesengroß, dass man wieder Publikum im Salmen begrüßen durfte und Steffie Kerker mit ihrem Programm "Lizenz zum Trödeln" war der perfekte Einstieg in die Herbstsaison. Gut aufgelegt erwähnte sie gleich zu Anfang, dass Ihr Auftritt nun im dritten Versuch stattfinden konnte, einmal wurde er wegen Corona und einmal (mehr oder weniger) wegen eines Fußballspiels (Pokalendspiel SC Freiburg - RB Leipzig) verschoben und spitzbüb... pardon, spitzmädlisch fügte sie gleich hinzu, dass Leipzig momentan gegen Gladbach zurück liege.
In den folgenden knapp zwei Stunden passierte so unglaublich viel, dass das Publikum aus dem Lachen und Staunen kaum herauskam. Mit spitzer Zunge, mal einschmeichelnd, mal forsch, mal ironisch, mal anklagend "arbeitete" Steffanie Kerker Themen ab wie den Klimawandel, die Tagespolitik, das Gendern der Sprache und viele mehr. Die Gags kamen Schlag auf Schlag und saßen auf den Punkt, ihre Mimik und Gestik waren köstlich. Besonders nah war sie dem Publikum, wenn sie von ihrem Leben als Mutter erzählte und von Situationen, die fast alle im Saal nachvollziehen konnten. Zwischen ihren Wortbeiträgen glänzte sie als Multiinstrumentalistin und hervorragende Sängerin. Eigentlich mit der Blockflöte aufgewachsen, spielte sie ganz famos Gitarre, Mundharmonika, Ukulele, Akkordeon, Keyboard und (äußerst amüsant) Boomwhackers, das sind bunte Plastikröhren verschiedener Länge. Ihre Songs glänzten durch eine tolle Musikalität und ausgeklügelte Akkordfolgen und rissen die Zuschauer zu Beifallsstürmen hin. Die Texte erinnerten dabei oft an die feingedrechselten Verse eines Reinhard Mey, ein anderes Mal an die bissigen und genialen Texte eines Konstantin Wecker, mit oft unerwarteten Wendungen und mit sanfter melodiöser Stimme vorgetragen, absolute Highlights des Programms. Gegen Ende trug die Künstlerin sogar ein Flötenstück vor, das sie mit einem auf Cello getrimmten Keyboard begleitete, welches sie mit den Füßen spielte. Spektakulär und beeindruckend! Im Schlusssong griff Steffi Kerker dann wieder auf den Programmtitel zurück und erklärte dem Publikum zu einer James Bond Melodie, dass nicht nur sie, sondern alle die "licence to chill" hätten. Mit tosendem Applaus und einer kleinen Zugabe ging ein genialer Abend zu Ende, der alles andere als "vertrödelte" Zeit war.


18.06.2022 | Michi Oertel Band

"Da habt Ihr aber einen Edelstein im Salmen!" war der Kommentar einer Besucherin in der Pause. Gemeint war der Freiburger Gitarrist Michi Oertel, der am Samstag, den 18. Juni seiner Band im Hartheimer Salmen ein Konzert gab. Was die drei Musiker auf die (durch die Klimaanlage wohltemperierte) Bühne brachten war ein außergewöhnlicher Mix aus Bluesklassikern und von Oertel geschriebenen Songs. Etwa gleich als Einstieg Canned Heats "On the road again", dem  das Trio, wie auch allen anderen gecoverten Stücken, ihren ganz eigenen Stempel aufdrückte, der einen tatsächlich einen Augenblick nachdenken lies, bevor man den Titel erkannte. Den Löwenanteil bildeten jedoch die eigenen Stücke (bisher auf 2 CDs veröffentlicht, dritte in Arbeit), wie der "Stormy Weather Blues" oder das wunderbare "Rosalie", die den Klassikern in ihrer Qualität nicht nachstanden. Mal bluesig, mal etwas funky und oft jazzig angehaucht hat die Band ihren eigenen Stil gefunden. Ein glasklarer transparenter Sound ohne Schnörkel verzauberte die Zuhörer von Anfang an und Oertels leicht rauchige Stimme setzte das Sahnehäubchen oben drauf. Die erste Hälfte des Konzerts war extrem leise, bis hin zu Passagen, die kaum noch hörbar waren, die aber eine Stimmung zauberten, die nicht zu beschreiben ist, ein Hochgenuss für die Ohren. Im zweiten Teil ging es dann ein bisschen mehr zur Sache, aber ohne auch nur im geringsten zu laut zu werden. Wunderbar waren die Passagen, wenn Felix Jakumeit mit seinem druckvollen und sehr präsenten Bass die Hookline eines Songs aufnahm, um Michi Oertel die Chance zu geben, auf seiner roten Gibson-ES "spazieren zu gehen" und herrliche Klänge zu produzieren, die einen in andere Spären abdriften ließen. Man merkte wie so oft: es kommt nicht darauf an, möglichst viele Töne pro Zeiteinheit zu spielen, sondern die "richtigen" Töne an der richtigen Stelle. Und das schaffte Oertel in jeder Sekunde virtuos, ein wahrlich ganz Großer in der deutschen Gitarristenszene. Die dichten Arrangements wurden unterstützt und zusammengehalten vom Drummer Silas Benz, der bewies, dass ein Schlagzeug nicht notwendiger Weise laut sein muss, der immer den richtigen Groove und Drive fand und der eindrucksvoll, nicht nur bei bei einem fulminanten Solo am Ende, sein Können unter Beweis stellte. Drei Instrumente, drei tolle Musiker, viel Spielfreude, herrliche Songs, es fehlte nichts ... außer ein paar Zuschauern, die noch Platz gehabt hätten!


09.04.2022 | Martin Herrmann: Keine Frau sucht Bauer

Genau so stelle ich mir einen Kabarettabend vor: überraschend, frech, böse, witzig, spannend, fröhlich, geistreich. Martin Herrmann unterhielt die Gäste im Gasthaus "Zum Salmen" in Hartheim unter anderem mit grandiosen Wortjonglagen sowie mit entlarvender Politsatire und überzeugte dazu bei seinen zahlreichen Songs mit brillantem Gitarrenspiel. Seine Fähigkeit, Sachverhalte und Geschichten in Reime zu packen und seine unglaublich deutliche Artikulation sind einzigartig. Der rote Faden in seinem Programm "Keine Frau sucht Bauer" ist der Unterschied zwischen Stadt und Landleben, wobei aber auch Themen wie Gerechtigkeit, Gleichberechtigung oder die Ehe an sich eine große Rolle spielen. Martin Herrmann, der sich  wegen seines Nachnamens (doppelt maskulin: Herr-Mann) als Östrogenseismograf bezeichnet, wäre am liebsten Witwer, aber dazu müsste er erst einmal heiraten. Dass dieses Unterfangen ein wahres Abenteuer (und viel zu oft von kurzer Dauer) ist nimmt viel Platz im Programm ein. Die Ehe sei mindestens genauso so gefährlich wie Computerspiele und er fordert ein Eheverbot für Schusswaffenbesitzer. Seine Sätze fangen meist harmlos an, um dann in einer fulminanten Pointe zu enden: Man hat herausgefunden, verheiratete Männer leben länger - wollen aber früher sterben! Oder: Alle sagen zum Priester "Vater" - nur die eigenen Kinder sagen "Onkel". Das Publikum im Salmen ging begeistert mit und Lachsalve um Lachsalve tobte durch den Saal. Der Song "Wiedergeburt", gespielt auf einer angeblich seltenen tibetanischen Zupfharfe (die verdächtig wie ein handelsüblicher Eierschneider aussah) trieb dem Publikum Lachtränen in die Augen. Ebenso wie die weiteren zahlreichen Songs, mit denen Herrmann sein Programm garnierte, wobei oft sein Biologiestudium Pate stand, wie beim "Molekülcasanova" oder beim "Chemiesong". Den Spagat zwischen Kabarett, Satire, Comedy und geistreichem Nonsens meisterte der Künstler bravourös und musste am Ende mehrere Zugaben geben. Dass am Ende noch jeder Besucher eine CD (mit fünf seiner Songs) kostenlos mit nach Hause nehmen durfte war eine willkommene weitere Zugabe eines grandiosen Künstlers, der gerne wiederkommen darf.


26.03.2022 | Armin Sengbusch: Depressionen leicht gemacht

"Depressionen leicht gemacht" hieß es am Samstag im Salmen. Man hätte einen leichten, ironischen und heiteren Abend vermuten können, aber was geboten wurde, war weit mehr als das. Armin Sengbusch, Buchautor, Musiker, Fotograf, Schauspieler, Kabarettist (und einiges mehr) überraschte die Besucher schon als er die Bühne betrat, mit schweren Lederstiefeln, Jackett und ... Kilt. Der Künstler ist bekennender Kilt-Träger und dies, weil es einfach bequem sei. Eine Steilvorlage für eine ganze Reihe von Beispielen, wie Menschen andere be- oder sogar verurteilen, weil sie nicht der gängigen Norm entsprechen. Der Abend entwickelte sich zu einem Parforceritt durch die Welt der Depressionskrankheiten, und man merkte sehr bald, Sengbusch weiß wovon er spricht. Auf amüsante Weise legte er seine diversen Krankheitsbilder offen und gab in norddeutschem Plauderton tiefe Einblicke in das Denken und Fühlen depressiver Menschen, bei denen so manchem das Lachen im Halse stecken blieb. Sengbusch verstand es aber immer wieder auf höchst geniale Weise, den Zuhörern verbal leicht auf die Schulter zu klopfen, sodass das Lachen den Weg nach draußen fand. Ein kleiner Halbsatz mit skurriler Komik reichte oft aus und es gab bei aller Schwere sehr viel zu lachen.

Das Publikum war allerdings jede Sekunde gefordert, Hirn abschalten und nur konsumieren war kaum möglich. Schon relativ früh aktivierte er die Zuschauer und brachte sie durch mitsingen auf seine Seite. Seine selbstgeschriebenen Songs, die er in lockerer Reihenfolge immer wieder einstreute und mit sehr variablem und äußerst passablem Gitarrenspiel begleitete, offenbarten ein weiteres seiner vielen Talente und trugen maßgeblich zur lockeren Atmosphäre bei. Ob Rap oder Rock, Armin Sengbusch zeigte sich musikalisch überall zu Hause. - Eigentlich erzählte er lediglich aus seinem Leben, flocht immer wieder Erlebnisse des Tages mit ein, und man hatte gar nicht den Eindruck, dass dies ein "Programm" war, sondern das Gefühl, da plaudert einer einfach drauflos. Dass ihm dies schon einmal zum "Verhängnis" wurde als er bei einem Auftritt nach dreieinhalb Stunden vom Veranstalter gefragt wurde, wie lange es noch ginge oder ob er Mal eine Pause machen könnte, konnte jeder im Saal gut nachvollziehen, denn Zeit spielte irgendwie keine Rolle. 

Sein außergewöhnliches Gespür als (mit unzähligen Preisen dekorierter) Poetry Slammer ließ Sengbusch aufblitzen mit einem schon etwas älteren Text, der damals in der Szene "viral ging" wie man so schön sagt, in dem sich ein Mensch auf den Weg zu Gott macht, um sich zu beschweren, aber vom Teufel abgefangen, wird der ihm klar machen will, dass nur ER ihm helfen könne. Goethes Faust meets Moderne und nach dem eindrucksvoll in Reimform in Szene gesetzten Disput war die Essenz am Ende: es nutzt weder etwas, sich blind auf Gott zu verlassen, noch auf den Teufel, man muss selbst die Initiative ergreifen und aktiv werden. Ein geniales und spontanes Intermezzo, das perfekt zum Thema passte, denn depressive Menschen haben es oft mit selbsternannten "Therapeuten" zu tun, die, ohne die geringste Ahnung zu haben, ultimative Tipps geben. Parallelen zu den Millionen von "Fußballbundestrainern" oder aktuell Millionen von "Virologen" drängten sich da natürlich auf. Hilfe von außen ist aber laut Sengbusch nicht die Lösung, die Kranken müssen selber ihren Weg finden ... und ihn auch gehen.

Einen Ansatz zur Lösung der allermeisten Probleme in der Welt hatte Armin Sengbusch auch im Gepäck. Es braucht nur zwei Eigenschaften: Höflichkeit und Respekt! Lang anhaltender Applaus gab ihm Recht.

Das durchweg begeisterte Pulikum erklatschte sich noch sage und schreibe drei Zugaben, drei Songs, die eine geniale Mischung aus Infoveranstaltung, Therapiestunde und Kabarettabend mit einem sehr sympathischen Künstler in perfekter Weise abrundeten.


12.03.2022 | Mellow: BLOW YOUR MIND!

Mit seiner brandneuen Show "Blow your mind!" gastierte am Samstag, den 12. März der Zauberkünstler Marco Weissenberg alias Mellow (zum zweiten Mal!) im Salmen in Hartheim. Der sympathische Kapuzenpulliträger hatte vom ersten Moment an das Publikum mit seiner gewinnenden, witzigen und charmanten Art auf seiner Seite. Geschickt und gewitzt nahm er immer wieder den Kontakt zu den Besuchern auf, insbesondere zu den vielen Kinder, die gebannt auf alles achteten, was Mellow auf der Bühne präsentierte. Mit viel Herz, Humor, netten Geschichten und immer den Schalk im Nacken präsentierte er sensationelle  Zaubertricks, die zum größten Teil so noch nie gesehen wurden. In einer "Preview Show" erklärte er, übt er quasi neue Nummern und verfeinert sie, um sie dann auf großen Bühnen zu präsentieren.

Seine Tricks mit Rubik-Würfeln waren nicht nur für die Kinder verblüffend, ein Ehering wurde mit einer Steinschleuder in den "Hyperraum" geschossen, um dann ... aber das muss man selbst erleben.

Bei einem unglaublichen Trick mit Legosteinen holte sich Mellow sogar per Handyanruf die Unterstützung des erst 14-jährigen "Magier des Jahres 2021" Maxililiam Schmalhofer alias Magis Maxl, der durchs Telefon zauberte. Überhaupt nutzte der Künstler sehr unaufdringlich, aber wirkungsvoll viele technischen Spielereien, etwa als er in einer anrührenden Nummer Glühwürmchen aus der Luft fing oder nach der Pause einen irrwitzigen Tanz mit schwebenden Leuchtstäben aufführte, wobei er im Hintergrund von Techniker Till Frömmel, selbst Zauberkünstler, punktgenau unterstützt wurde.

Nach dem furiosen Einstieg in den zweiten Teil der Show wurde es für eine Weile sehr emotional als Mellow aus einem Tagebuch über seine Kindheit, seine Eltern, insbesondere über seinen verstorbenen Vater vorlas. Man hätte eine Stecknadel fallen gehört und Mellow lies das Publikum auf diese Weise so nah an sich heran, dass es kaum jemanden ohne Gänsehaut gab.

Die melancholische Stimmung nutzte als Einstieg in eine Reihe fantastischer Tricks mit Polaroid-Bildern und die Show nahm wieder volle Fahrt auf. Eine Zuschauerin lies eine Glühbirne leuchten (und schließlich zerbersten!) und nach einem fantastischen Kartentrick zeigte der bei dem Trick beteiligte Zuschauer einen Showtanz, der das Publikum begeisterte. Mellow bezeichnete Hartheim als das "Las Vegas des Schwarzwalds" und bedankte sich am Ende herzlich bei dem "Las Vegas Showgirl" , allen Mitarbeitern des Salmen für ihre ehrenamtliche tolle Arbeit und natürlich beim Publikum, das nicht mehr aufhören wollte zu klatschen als er buchstäblich in einer riesigen Seifenblase über der Bühne schwebte.

Am Ende nach der Show nahm Mellow sich noch viel Zeit für die vielen Kinder, die ihn mit Fragen bestürmten, und Autogrammkarten wollten. Auch konnte man eine kleine Box erwerben, in dem unter anderem ein Link ist, unter dem der Zauberer drei Tricks, die man mit dem Inhalt des kleinen Kästchens machen kann, genauestens per Video erklärt. Die Nachfrage war gewaltig und man sah an diesem gelungenen Abend nur glückliche (kleine und große) Menschen.